Bob’s rants: Warum nur Idioten auf ihren Klout-Score achten

Autor: Bob Grillen || Datum: 12. November 2012 || Thema: Social Relations

Eines vorweg: Wer jetzt erst eine Erklärung braucht, was Klout ist, kann sich diesen Kommentar knicken. Lest weiter eure Tageszeitung und trinkt noch einen Kaffee. Alles anderen sind eingeladen, meiner Polemik zu folgen und mitzudiskutieren.

Also: Worum geht es im Kern?

Aufhänger ist der Blogbeitrag von Christopher S. Penn, der fragt: Should you opt-out of Klout? Lest es. Nach der Lektüre habe ich meinen Klout-Account geschlossen, auch wenn Penn zu einem etwas anderen Schluss kommt. Warum also?

Es geht um Einfluss. Was auch heißt: Wenn du nichts postest in deinen verknüpften Netzwerken, sinkt dein Klout-Score. Ganz unabhängig davon, ob du vielleicht gerade auf einem Barcamp abparkst oder deine kranke Omma pflegst. Und solange du prominent bist, ist es scheißegal, was du postest, deine Follower werden jeden Vollhorsttweet retweeten und jede Statusmeldung teilen und kommentieren.

Klout misst nur die Quantität deiner Aktivitäten. Beispiel gefällig?

Zum jetzigen Stand knapp 30.000 Retweets und über 18.000 Faves. Justin Bieber hat einen Klout-Score von 92. Warum? Weil er unheimlich coole Tweets von sich gibt? Weil er Erkenntnisse teilt? Weil er die Welt mit seinem Wissen bereichert? NEIN! Weil er ein überschätzter Pseudomusiker ist, der seine androgyne Visage gut in Kameraobjektiven platzieren und sich synchron zu Musik bewegen kann. Und kotzen.

So ist auch Klout. Im Prinzip. Vereinfacht. Ein kotzender Justin Bieber hat mehr Klout-Impact als ein räsonierender Hermann Hesse hätte. Letzterer hätte in der heutigen Zeit – als Zeitgenosse – vielleicht viertausend Follower (davon schätzen 600 Emos seine Sprüche, 1.500 Spät-Buddhisten erinnern sich ihrer Kindheit, zwei Literaturwissenschaftler sind auf Twitter, 466 dumme Nazis halten ihn für einen Cousin von Rudolf und der Rest folgt ihm einfach wegen einer #ff-Empfehlung eines Freundes). Wie gesagt: vereinfacht.

Warum das so ist? Weil Klout nicht semantisch wertet. Klout wertet, wenn das außer den Betreibern überhaupt jemand genau zu sagen vermag, quantitativ: Wer hat wie viele Follower, redet mit wem, wird wie oft von wem mit wie wie vielen Followern erwähnt und retweetet. Der Inhalt wird nur maximal sekundär gewertet, wenn wir wohllwollend davon ausgehen, dass nur Relevantes kommentiert und retweeted wird – was @justinbieber wiederum eindrucksvoll widerlegt hat.

Warum sollte jemand Wert auf seinen Klout-Score legen?

Keine Ahnung. Man kann sich maximal mit anderen Klout-Nutzern vergleichen. Wenn man’s nötig hat. Oder wenn man meint, es nötig zu haben. Oder wenn man einen der tollen „Perks“ abstauben möchte, also einen kleinen Bonus eines Markenartiklers, der diese Boni als Marketingausgabe abschreibt und sich reziprokes Wohlwollen erkauft.

Warum also sollte jemand Wert auf seinen Klout-Score legen?

Meine Herr’n, wenn es jetzt noch immer niemand verstanden haben sollte: Klout ist nichts anderes als ein digitaler Schwanzvergleich ohne Sinn und Verstand. Also bildet euch nichts ein auf eure 40, 50, 60, 70 oder 88 Punkte. Beim Lidl an der Kasse lässt euch deshalb niemand vor. Und wenn ihr euch einredet, dadurch schneller einen Job als Social-Media-Ninja zu bekommen: Get a f***ing life!

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

Eigentlich hätte ich hier gerne ein Kontaktformular. Aber der Aufwand für die DSGVO und das ständige Löschen der Spamscherze sind mir zu blöd, genauso wie Captchas und doppelt und dreifache Opt-ins und -outs.

Also bitte einfach die üblichen Kontaktmöglichkeiten nutzen: hallo[at]nagelundkopf.de oder unter 0176 97661348 anrufen.

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mailto: hallo@nagelundkopf.de

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über mich.

Strategietexter, Marketingreferent, Journalist, Autor. Papa. Geek. Läufer. Sänger. Bester Freund meines Hundes. Mag Trash-Filme, Gitarrenmusik, Bücher aus Papier und jede Form von Kaffee. Älter als AOL.

hünxe.

Ernsthaft? Ist das noch Land oder schon Dorf? Es ist beides. Und Wald. Viel Wald. Und herrlich. Vor allem ist es noch im wunderschönen Ruhrpott, auch wenn sich die Leute hier manchmal ein wenig vertun mit dem Niederrhein. Hinfahren, angucken, auf ‘nen Kaffee reinschneien und fachsimpeln. Themen gibt es hier genug. Und wer mich woanders braucht: Ich bin in einer Stunde in Köln oder Düsseldorf, in dreieinhalb Stunden in Hamburg oder Frankfurt, in sechs Stunden in München oder Paris.