Wie schreib’ ich’s richtig oder: Legasthenie auf Facebook & Co.

Autor: Sascha Nieroba || Datum: 11. Februar 2013 || Thema: Social Relations

Rechtschreibung ist gefühlten 95% der Facebook-Nutzer scheißegal. Guckt man sich allein all die mehr oder weniger sinnvollen Text-Bild-Collagen an, weint jeder Mensch mit ein wenig Sprachgefühl des Nachts leise in sein Kopfkissen. Wir fragen uns: Wozu noch Regeln, wenn jeder Idiot eh schreibt, wie’s ihm gefällt? Orthografie-Jedi Matthias Meringer stellt sich unseren vier Fragen, die hoffentlich nicht nach Schweiß stinken.

Matthias, bevor wir loslegen mit einer weiteren Runde „4 Fragen, 4 Antworten“, stell‘ dich doch bitte in ein paar Sätzen vor.

Matthias Meringer: Ich bin der erste Alphabetiker. Ok, Scherz, dazu kommen wir noch. Ich bin 46 und lebe in der oberfränkischen Stadt Hof. Seit Jahren beschäftige ich mit Online-PR und der Kommunikation im Internet. So gründete ich 2007 mein Presseportal pressehof.de, 2008 die Xing-Gruppe Online-PR und 2012 das Magazin Online-PR-Praxis onlineprpraxis.de.

Ich besitze Jedikräfte. Sie erwachen ohne mein Zutun, sobald ich Text sehe. Vielleicht besuchte mich einst Meister Yoda und erweckte die Macht der Alphabetik in mir – keine Ahnung. Fakt ist, dass mich Text schon immer faszinierte. Mein Jedi-Kraft-Problem: Rechtschreibfehler springen mich an. Kaum wandern meine Augen über Text, werden sie Opfer fieser Orthografieterrorattacken. Plakate, Briefe, Pressemitteilungen, Zeitungen, Webtexte oder Bauchbinden im Fernsehen: Ich sehe jeden Fehler. Und ja, mir sind eigene Rechtschreibfehler tatsächlich peinlich.

Los geht’s.

Vor einigen Wochen hast du mit alphabetik.de ein Orthographie-Blog gestartet. In der Unterzeile stellst du die steile These auf: „Guter Text macht sexy.“ Wie unsexy macht denn ein schlechter Text?

Matthias Meringer: Rechtschreibfehler, Dampfgeplauder oder Worthülsensalat: Text kann aus vielen Gründen schlecht sein. Kennst du den Geruch von Deodorant auf nach Schweiß riechender Haut? So unsexy ist schlechter Text. Ihn zu ertragen ist eine Qual.

Ich sag’ ja immer: Wenn ich für jeden hirnrissigen Rechtschreibfehler in den Bildern auf Facebook einen Cent bekommen würde, könnte ich meinen Laden zumachen und auf die Malediven auswandern. Sind die Leute wirklich so dumm? Achtet da niemand drauf? Oder anders: Verkommt unsere Schriftsprache zu ihrem gesprochenen Pendant?

Matthias Meringer: Man muss unterscheiden. Zum einen gibt es jene Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache kennen. Machen sie einen Fehler, ist das kein Problem, solange es um nicht veröffentlichten Text geht. Zum anderen gibt es die Muttersprachler. In dieser Gruppe ist der Wald oft sehr finster.

Ob das nur an fehlender Bildung liegt, weiß ich nicht. Ich glaube, dass vielen Kindern der Wert und die Schönheit von Sprache nicht vermittelt wird. Eltern achten zu wenig darauf, Lehrer auch. Ja, das meine ich ernst. Letztes Jahr besuchte ich den Tag der offenen Tür in der Schule meiner neunjährigen Nichte. In großen Buchstaben warf der Beamer “Herzlich Willkommen” an die Wand. Das sagt doch alles. Wie soll das Mädchen ordentlich schreiben lernen, wenn die Lehrkräfte zu doof dazu sind?

Unsere Sprache verkommt nicht. Die Einstellung mancher Zeitgenossen zur Sprache tut es. Das ist sehr schade. Vor allem, weil die Leute nicht verstehen, dass Rechtschreibfehler peinlich sein können.

Auf deiner Website onlineprpraxis.de bringst du fehlerfreie Texte in Verbindung mit Online-Reputation. Wenn man sich das Gestotter auf Facebook so ansieht, spielt das dann überhaupt noch eine Rolle, wenn Teile des Internets eh rechtschreibfreie Zone sind?

Matthias Meringer: Na klar hat Text mit Reputation zu tun. Vermurkste Texte sind Mist und werfen ein schlechtes Licht auf Unternehmen und Personen. Wer nimmt “Social Media Berater”, “PR Berater”, “SEO Experten” oder “Auto/Mode/Motor/Sport/Technik Blogger” ernst? Nur die, die die Fehler nicht sehen. Alle anderen rümpfen die Nasen.

Wer etwas auf sich hält oder stolz auf sein Unternehmen ist, wird immer guten Text produzieren (lassen). Reputation ist im Internet immer und überall. Text wird verbreitet, geteilt und an zig Stellen angezeigt. Deshalb muss er fehlerfrei sein. Alles andere versaut den Ruf.

Verlassen wir das Internet für ein paar Minuten, auch wenn’s schwer fällt. Praktiker dichtete für Ewigkeiten folgende Rabattausnahme: „Auf alles ausser Tiernahrung.“ Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie hoch geht dir der Hut bei einem Doppel-s im Deutschen, wo keines hingehört? Oder anders: Warum hat Praktiker den Fehler so lange mitgetragen?

Matthias Meringer: >>Bzzzzzzz<< Mein Jedi-Lichtschwert aktiviert sich bei sowas von selbst. 12 von 10 Punkten!

Möglichkeit 1: Praktikers Agentur beschäftigte keine Textauskenner. Deren Fehler konnte Praktiker verkauft werden, weil dort ebenfalls keine Profis am Werk waren. Möglichkeit 2: Praktiker textete selbst mit gleichem Ergebnis. Egal wie: Das war peinlich bis auf die Grundmauern.

Möge der Text mit dir sein! Danke fürs Interview.

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

Eigentlich hätte ich hier gerne ein Kontaktformular. Aber der Aufwand für die DSGVO und das ständige Löschen der Spamscherze sind mir zu blöd, genauso wie Captchas und doppelt und dreifache Opt-ins und -outs.

Also bitte einfach die üblichen Kontaktmöglichkeiten nutzen: hallo[at]nagelundkopf.de oder unter 0176 97661348 anrufen.

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über mich.

Strategietexter, Marketingreferent, Journalist, Autor. Papa. Geek. Läufer. Sänger. Bester Freund meines Hundes. Mag Trash-Filme, Gitarrenmusik, Bücher aus Papier und jede Form von Kaffee. Älter als AOL.

hünxe.

Ernsthaft? Ist das noch Land oder schon Dorf? Es ist beides. Und Wald. Viel Wald. Und herrlich. Vor allem ist es noch im wunderschönen Ruhrpott, auch wenn sich die Leute hier manchmal ein wenig vertun mit dem Niederrhein. Hinfahren, angucken, auf ‘nen Kaffee reinschneien und fachsimpeln. Themen gibt es hier genug. Und wer mich woanders braucht: Ich bin in einer Stunde in Köln oder Düsseldorf, in dreieinhalb Stunden in Hamburg oder Frankfurt, in sechs Stunden in München oder Paris.