Die Fünf Goldenen Kommunikationsregeln

Autor: Sascha Nieroba || Datum: 19. Juni 2016 || Thema: [Responsive] Branding

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Fünf? Nur fünf? Und dann noch gülden? Eine weitere Liste, die mich zum Klicken verführt hat? Aber klar doch. Und diese Antwort gilt für jede Frage. Warum das? Das Internet an sich bildet fast wöchentlich neue Kontaktmöglichkeiten: soziale Netzwerke, Messenger, Chats, was auch immer. Und kaum ist ein neuer Kanal aufgetaucht, schießen Experten und Spezialagenturen wie die Pilze aus dem Boden. Oh, Wunder.

Sind das alles Scharlatane? Einige der Kapeiken gewiss. So wie überall. Und die anderen? Ein paar springen ganz einfach auf einen fahrenden Zug und hoffen, dass kein Schaffner kommt. Das ist alles nicht verwerflich. In der Kommunikationsbranche allerdings treibt das manchmal gar seltsame Blüten.

Nicht nur, dass wir es fast wöchentlich mit neuen Buzzwords zu tun haben (die, so ganz nebenbei, notwendig sind, weil sie einfach zum Marketing-Vokabular gehören), nein, sie werden gleich hochgehyped, damit bloß jedes Medium aus dem Marketing-Dunstkreis brav die PR-Artikel der hypenden Agenturen abdruckt. Aber auch das ist nicht verwerflich, so funktioniert Vermarktung – und darin sollten Marketingagenturen schließlich recht gut sein. Im Gespräch bleiben, im Rennen bleiben, vorne bleiben – und gewinnen.

Was bei diesem Wettbewerb ganz oft auf der Strecke bleibt – und das ist mein ganz persönlicher Eindruck -, ist die Zielgruppe, die so vehement ankommuniziert wird: Menschen. Und jetzt wird’s einfach mal ganz pragmatisch: fünf Kommunikationsregeln.

1. Wir kommunizieren immer mit Menschen.

Das ist das ganze Geheimnis hinter aller Werbung. Das ist das ganze Geheimnis hinter aller PR. Das ist das ganze Geheimnis hinter allem Social Media Marketing. Also hinter allen Kommunikationsdisziplinen. Wer seine Mitmenschen nicht wahrnimmt, SEO-Texte runterschrubbt, nur Suchmaschinenalgorithmen im Kopf hat, nicht mehr U-Bahn fährt, sich nicht mal für eine halbe Stunde an den Bahnhof setzt oder ‘nen Burger mitten in einem überfüllten Einkaufszentrum isst, verliert das Gespür für seine Umwelt. Für die Sprache seiner Umwelt.

Gehen wir doch mal von uns aus: Wir mögen keinen Spam. Wir nutzen AdBlocker. Warum? Weil wir überall penetrant von Werbung penetriert werden. Das nervt uns. Zurecht. Wir möchten unterhalten werden, lachen, ja, wir wollen auch lernen. Wir wollen aber nicht belehrt werden. Wir wollen hinter Kulissen gucken, wissen, wie Dinge funktionieren. Und wenn uns das irgendein Unternehmen sympathisch erklärt, finden wir höchstwahrscheinlich auch die Marke sympathisch. Da wären wir zum Beispiel bei gutem Content Marketing. Werbung kann aber auch geschickt sein, die zur Verfügung stehende Datentiefe lässt personalisierte Werbung zu. Die stört uns nicht ganz so. Weil sie gezielt ist. Weil wir nicht das Gefühl haben, dass da jemand mit großem Budget seine Shotgun in den Wald feuert und guckt, was vom Baum fällt. Wertschätzung ist hier ein passendes Stichwort. Wir wollen ernstgenommen werden.

Auf hohle Werbephrasen fallen wir nicht mehr herein. Niemand kommt mehr mit seiner Kutsche durchs Dorf gefahren und verkauft Haarwuchsmittel und Lebenselixier. Denn: Seit Google haben Lügen fast keine Beine mehr.

Also: Denken wir zunächst an uns (das dürfte den meisten eh recht leichtfallen), stellen wir ganz automatisch den Menschen in den Mittelpunkt. Und da gehört er auch hin.

2. Von nichts kommt nichts.

Kommunikation kostet Geld. Immer. Und immer wieder begegnen mir Unternehmer, die der Meinung sind, „dieses Content Marketing, das läuft doch auf Facebook, da kostet das doch nichts.“ Klar, die Nutzung von Facebook kostet nichts. Aber wie kommen die Inhalte dahin? Und woher überhaupt? Wer verfasst Blogartikel, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden können? Wer erstellt einen Facebook-Redaktionsplan und bedient Buffer und Co.? Wer sorgt für vernünftige Fotos abseits ausgetretener Stockphotos-Pfade? Wer baut tolle Infografiken? Wer filmt, schneidet und vertont das Video? Wer denn? Das kann niemand aus der Belegschaft nebenbei machen. Ganz abgesehen davon, dass man Unternehmenskommunikation niemals nur so nebenbei betreiben sollte.

Also: Inhalte kosten, Ideen kosten, Zeit kostet, Mitarbeiter kosten, externe Agenturen oder Freelancer kosten. Und zwar Geld. Und nicht immer kommt direkt Ertrag um die Ecke in Form von Verkäufen, Leads oder was auch immer. Im Content Marketing, zum Beispiel, braucht man einen langen Atem, da ist Kontinuität gefragt. Machen und dranbleiben.

Kommunikation kann man nicht halbherzig betreiben. Entweder man macht es ganz, also mit Einsatz und Energie und Plan und Budget, oder man lässt es bleiben und dümpelt so vor sich hin. Das scheint manchen auch zu reichen. Noch.

3. 360-Grad-Kommunikation dreht sich nur im Kreis.

Sie ist ähnlich buzzy wie das „Content Marketing“, die 360-Grad-Kommunikation. Die funktioniert so ähnlich wie die oben schon erwähnte Shotgun im Dauerfeuer, während man sich auf der Stelle um sich selbst dreht. Und am Ende landet man wieder genau da, wo man angefangen hat zu feuern. Prima.

Dabei muss Kommunikation beweglich sein. Selbstverständlich muss man alle relevanten Kanäle abdecken, sich so breit wie sinnvoll positionieren und sich dann im Leben seiner Kunden breitmachen, also relevant werden. Aber, bitteschön, nicht wie ein nervender Brummkreisel mitten im Zimmer rumwirbeln, das ist doch albern. Genau wie das 360-Grad-Bild.

Das ist zu spitzfindig? Hey, dafür sind wir doch hier!

4. Der Fisch muss dem Angler schmecken.

Ist doch klar, warum geht man sonst Angeln? „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, ist das zu oft kolportierte Sprichwort, zu oft, weil zu falsch. Zumindest im Marketing. Köder können wir beliebig viele auslegen oder in den Dorfteich werfen. Wenn wir angeln, was wir nicht wollen oder ganz einfach nicht mögen, haben wir die falschen Köder ausgelegt. Klingt logisch? Ist es auch.

Also stellen wir mal ganz bewusst und selbstbewusst die Person ins Zentrum unseres Interesses, auf die es ankommt: uns selbst.

5. Alles andere ist Marketinggewäsch.

Darüber hinaus ist mir das alles zu wenig pragmatisch. Wenn wir in unserem Interesse mit Menschen kommunizieren, um diese von uns zu unserem Vorteil zu überzeugen, schlagen wir die richtige Richtung ein. Wer was anderes behauptet, interpretiert „Marketing“ auf eine sehr spezielle Weise. Marketing ist durch und durch egoistisch auf den eigenen Vorteil bedacht (oder den des Kunden, wenn ich durch meine eigene Brille blicke). Selbstredend funktioniert das erfolgreich nur dann, wenn alle „Stakeholder“ (wie ich dieses Wort verabscheue) an Bord geholt werden.

Aber der geangelte Fisch, der muss zu guter Letzt uns schmecken. Guten Appetit.

 

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

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