Facebook: Zeit für eine Exit-Strategie

Autor: Sascha Nieroba || Datum: 24. Januar 2014 || Thema: Social Relations

Nein, dies ist kein Abgesang auf das soziale Netzwerk mit der größten Reichweite. Aber: Ja, wir haben es vernommen, das Wutgeschrei und trotzige Mit-den-Füßchen-aufstampfen der  Social-Media-Ninjas der Welt, was mittlerweile in ein heimliches Ins-Kissen-Weinen übergegangen ist: Facebook hat mal wieder an seinem Algorithmus geschraubt und gibt Posts mit Bildern und Links den Vorrang vor reinen Textposts. Wie das nun funktioniert, soll nicht Teil des Artikels sein (das erläutern die Links am Ende), hier geht es nur um die Konsequenzen für Unternehmen und vor allem Freiberufler, die auf der Plattform ihre Seiten betreiben. Denn die werden sich wundern.

Facebook killt Relevanz

Das habe ich vor einigen Tagen schon mal geschrieben. Und ich bleibe dabei. Natürlich ist es schön, wenn ich nicht mehr grenzdebilen Content wie „Im Winter ist es kalt, im Sommer ist es ________“ lesen oder mir ständig zum Kotzen süße Kätzchen angucken muss. Aber was ist, wenn ein freier Autor Kurzlyrik postet, eine Songwriterin Textauszüge, Neil Gaiman einen kleinen Absatz eines seiner Bücher zitiert? Ganz ohne Link? Ohne Bild? Ist das weniger wertig als ein Shoplink von wemauchimmer.de?

Soll ich dann überhaupt in Facebook machen?

Aber sicher dat! Noch tummeln sich hier ja ein paar Leute. Darunter Menschen, die zu deinen Kunden werden können. Da ist also durchaus noch Potenzial. Wer das bis heute nicht begriffen hat, sollte sich vielleicht mal den Schlaf der letzten Jahre aus den Augen waschen. Fatal ist jedoch eine Ausrichtung ausschließlich auf Facebook. Oder auf Twitter. Oder Pinterestagravine. Oder und. Warum? Weil dir die Inhalte dort nicht gehören.

Owned Media gehört die Zukunft

Das war schon immer so, es ist nur etwas in Vergessenheit geraten. Aus Faulheit. Und in Wochenendkursen blitzartig ausgebildete Social-Media-Meister haben ihren Teil dazu beigetragen. Ist es nicht toll, wie einfach es mittlerweile ist, seine Botschaft in die Welt zu blasen? Hier, ganz schick, mit tollen, großen Fotos Ihres Fußbalsams, da werden Ihnen die Kunden die Tür einrennen. Na, da wollen wir doch im Nachhinein ganz feste die Däumchen gedrückt haben.

Im letzten Jahr konnten einige tausend Menschen ihr Leid klagen, als Posterous eingestellt worden ist und unzählige da gehostete Blogs im digitalen Nirvana verschwanden. Ähnliches kann schon nächsten Monat mit tumblr passieren. Wahrscheinlichkeiten spielen hier gar keine Rolle, allein die Möglichkeit sollte uns aufmerksam werden lassen.

Und nu‘? Welche Strategie soll ich fahren?

Mehrgleisig. Grundsätzlich gilt: Was dir gehört und sich auf deinem Grund und Boden befindet, darf dir rechtlich niemand nehmen. Auch nichts Digitales. Und jetzt tuten wir mal die Melodei der Content-Apostel: Schaffe Inhalte. Auf deiner eigenen Website, in deinem eigenen Blog. Unternehmen dürfen das übrigens auch. Tobt euch aus, abseits von den grafischen Grenzen, die euch Facebook setzt. Schreibt so viel Text, wie ihr wollt. Dreht Videos. Besprecht Podcasts. Baut eure eigene publizistische Plattform. Journalisten zum Beispiel könnten so ihr eigenes nettes Magazin herausgeben, weil die technischen Hürden quasi nicht mehr existieren. Wer sich angucken will, wie das geht, sollte sein Lesezeichen bei Richard Gutjahr einlegen, der auf seinem Blog eindrucksvoll zeigt, wie zeitgemäßer One-Man-Journalismus aussehen kann.

Und wenn ihr dann eure Inhalte veröffentlicht, nutzt alle Plattformen, auf denen sich eure Kunden, Klienten und Leser tummeln und verlinkt, was das Zeug hält. Denn was haben wir oben gelernt? Facebook mag Links. Und Fotos. Und die habt ihr ja nun zuhauf. Eure eigenen.

Der Exit

Was passiert denn dann, wenn Facebook wieder was ändert? Twitter plötzlich Links verbietet? Pinterest keine Bilder mehr zulässt? Das kann euch egal sein! Zieht weiter! Sucht euch Plattformen, auf denen ihr euch wohlfühlt. Ihr müsst eure Inhalte nicht umständlich ex- und wieder importieren. Es sind eure. Ist das nicht herrlich? Und vor allem so herrlich einfach! Warum macht’s dann noch nicht jeder?

 

[links:]

Hat Facebook seinen Zenit überschritten? via mobilegeeks
[
update: gulli.com: Facebook reagiert mit Spott auf Princeton-Studie]

gulli.com: Facebook schiebt kostenlosem Marketing den Riegel vor

Creative Construction: Facebook: Kollaps des Newsfeeds und Sichtbarkeit von Brand-Pages

ignite social media: Facebook Brand Pages Suffer 44% Decline in Reach Since December 1

 

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

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