Googles Antwort auf das Leistungsschutzrecht oder: eine Lehrstunde in Doppeldenk

Autor: Sascha Nieroba || Datum: 8. Juli 2013 || Thema: Medien

Wird’n Knaller, da bin ich mir sicher. Ich sitze seit zwei Wochen mit Popcorn-Flatrate vor dem Rechner und scanne die Newsseiten der Verlage. Der Grund? Google hat mit einer einfachen Reaktion das von vielen Zeitungsverlagen als Allheilmittel kranker Kassen gepriesene Leistungsschutzrecht (LSR) ad absurdum geführt. Wie? Lassen wir Google selbst zu Wort kommen (wörtliches Zitat aus dem offiziellen Blog, einzusehen hinter diesem Link):

„Vor wenigen Wochen wurde in Deutschland ein Gesetz verabschiedet: das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Im Lichte dieser Entwicklung und vor dem Hintergrund der rechtlichen Unsicherheit, die von dem Gesetz ausgeht, haben wir ein neues Bestätigungssystem eingeführt. Mit diesem bieten wir deutschen Verlagen eine weitere Möglichkeit, uns mitzuteilen, ob ihre Inhalte (weiterhin) bei Google News angezeigt werden sollen. Diese neue Bestätigungserklärung ist eine Ergänzung der vorhandenen technischen Möglichkeiten für Verlage, selbst zu bestimmen, ob ihre Inhalte in unseren Diensten angezeigt werden sollen – oder nicht. Solche Tools wie z. B. robots.txt werden neben Google auch von vielen anderen Suchmaschinen und Internetdiensten anerkannt.“

google-news-konter-zum-leistungsschutzrechtEs geht also um die ach so schlimmen Snippets in Google News. Das ist die Newssammelseite, die User in Scharen auf die Websites der Verlage führt. Das wollen die Verlage auch weiterhin, allerdings soll Google dafür Lizenzgebühren bezahlen. Klingt komisch? Ist es auch. Zumindest ist es so saukomisch, dass den meisten Verlagen das Lachen im Halse stecken geblieben sein dürfte. Googles Bestätigungsseite (siehe Bild) sieht nun vor, dass Verlage aktiv zustimmen müssen, wenn ihre Seiten weiterhin in den Google News gelistet und samt Snippet verlinkt werden dürfen. Weil es ein Service ist. Kommen sie dieser Bestätigung nicht nach, fliegen sie aus dem News-Index. BÄM!

Und bevor jetzt alle mit ihrem widerlichen Tugendfuror daherkommen von wegen „Google ist Monopolist“, „Google missbraucht seine Marktmacht“, „Google beherrscht die Welt“: Kann sein. Es kann aber auch sein, dass unsere „Neuland“-Verlage gemeinsam mit ihren Lobby-Lemmingen offenen Auges und verlacht von der Welt ihr Gesetz gegen die Wand fahren.

Ich zitiere hier mal kress.de:

„Zeit Online“ kündigte an, „das Opt-in (zu) nutzen und seine Inhalte weiterhin bei Google News zur Verfügung (zu) stellen“. Stefan Plöchinger, Chefredakteur von „Sueddeutsche.de“ twitterte: „Wir werden das geplante Google-News-Opt-in auch nutzen, am Ende. Lesen’s gerade mal richtig durch.“

Und das heißt im Klartext: Damit die schlauen Verlage nicht ausgelistet werden, stellen sie ihre Snippets weiterhin kostenlos zur Verfügung. Kostenlos. Na, herzlichen Glückwunsch, das ist so geil, da haut’s mich weg. Monatelanges Mimimi, dass die bösen, bösen Googler nicht für die Nutzung der Snippets in Google News zahlen wollen, und wenn den Verlagen mit Rausschmiss gedroht wird, ziehen alle feige den Schniepel ein und deuten das „Opt-in-Verfahren“ zur glatten Anerkennung des Leistungsschutzrechtes um. Orwellsches Doppeldenk lässt schaurig grüßen.

Am 1. August ist es übrigens soweit. Dann zieht Google den Verlagen den News-Stecker, die stur auf ihrer Meinung verharren. Das werden nicht viele sein. Wir können uns also in den nächsten Wochen auf etliche Pressemitteilungen freuen, die die vergangenen Monate dermaßen realitätsverzerren, dass es einem denkenden Menschen die Schuhe auszieht. Bestimmt kriegt Google auch noch einmal „Post von Wagner“.

Wer wissen will, welche Verlage das LSR befürworten und in den kommenden Wochen besondere Beachtung finden sollten, findet auf leistungsschutzrecht-stoppen.d-64.org eine „Leistungsschutz-Blacklist.

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

Eigentlich hätte ich hier gerne ein Kontaktformular. Aber der Aufwand für die DSGVO und das ständige Löschen der Spamscherze sind mir zu blöd, genauso wie Captchas und doppelt und dreifache Opt-ins und -outs.

Also bitte einfach die üblichen Kontaktmöglichkeiten nutzen: hallo[at]nagelundkopf.de oder unter 0176 97661348 anrufen.

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über mich.

Strategietexter, Marketingreferent, Journalist, Autor. Papa. Geek. Läufer. Sänger. Bester Freund meines Hundes. Mag Trash-Filme, Gitarrenmusik, Bücher aus Papier und jede Form von Kaffee. Älter als AOL.

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Ernsthaft? Ist das noch Land oder schon Dorf? Es ist beides. Und Wald. Viel Wald. Und herrlich. Vor allem ist es noch im wunderschönen Ruhrpott, auch wenn sich die Leute hier manchmal ein wenig vertun mit dem Niederrhein. Hinfahren, angucken, auf ‘nen Kaffee reinschneien und fachsimpeln. Themen gibt es hier genug. Und wer mich woanders braucht: Ich bin in einer Stunde in Köln oder Düsseldorf, in dreieinhalb Stunden in Hamburg oder Frankfurt, in sechs Stunden in München oder Paris.