Kommentar: Die FAZ und die unerträgliche Arroganz der „Qualitätsjournalisten“

Autor: Bob Grillen || Datum: 12. Januar 2013 || Thema: Medien

Mein persönliches Unwort des Jahres ist ja „Qualitätsjournalismus“. Dieser Tage bedeutet Qualität, Agenturmeldungen einen Tacken schneller abzuschreiben als die Konkurrenz. Und wer dann noch ’nen Satz hinzufügt, ist gar befugt, den ganzen öden Sermon in ein Bezahlmodell zu packen und eine Paywall hochzuziehen. Oder man macht es sich noch lukrativer und lässt einen Praktikanten schnell eine iOS- oder Android-App zusammenfrickeln, die zwar nicht richtig funktioniert, dafür aber Kohle bringt. Thomas Knüwer hat das sehr schön drüben in seinem Blog zusammengetragen: Indiskretion Ehrensache: Paid Content muss man können können.

Auf alles und alle andere wird seitens der etablierten Medien fleißig draufgehauen. Auf Blogger zum Beispiel. Und gerade auf die immer wieder heftig und gerne. Lese ich neulich in der Online-Ausgabe der FAZ als Kommentar auf Andrew Sullivans Abspaltung von „The Daily Beast“ und dem Start seines eigenen Magazins „The Dish“ folgenden Satz des FAZ-Journalisten Stefan Schulz:

„Doch die Frage, warum Sullivan zu bezahlen sei, für seine Kommentierungen von Inhalten, die viele andere Blogger und Medieninstitutionen ihrerseits kostenlos zur Verfügung stellen, wird auch noch zu beantworten sein.“

Warum also sollten Leser einer Internetzeitung mit Print-Wurzeln für das Passieren einer Paywall bezahlen, wenn es ähnliche Inhalte woanders für lau gibt? Reichlich kurz gedacht, Herr Schulz. Oder ist nach FAZ-Lesart gar nur echter Journalist, der für eine Publikation arbeitet, die Wurzeln im Print vorweisen kann, und alle anderen nur Internetvollschreiber, also Vollhorste, Leute, deren Meinung unmaßgeblich ist, die man nicht ernst nehmen muss – und schon gar nicht bezahlen sollte, solange nicht zuallererst der Printpott gefüllt worden ist?

Und der ist ja eigentlich immer leer. So weist Stefan Niggemeier via Twitter auf einen altbekannten Missstand bei der WAZ-Mediengruppe hin:

Kurz: Texte, die im Reise-Journal erscheinen, werden vergütet, gleichzeitig aber alle Nutzungsrechte abgetreten, sowohl online wie auf Papier.

Wenn allerorten von „Qualitätsjournalismus“ gefaselt wird: Wo sind denn die Qualitätsverlage?

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

Eigentlich hätte ich hier gerne ein Kontaktformular. Aber der Aufwand für die DSGVO und das ständige Löschen der Spamscherze sind mir zu blöd, genauso wie Captchas und doppelt und dreifache Opt-ins und -outs.

Also bitte einfach die üblichen Kontaktmöglichkeiten nutzen: hallo[at]nagelundkopf.de oder unter 0176 97661348 anrufen.

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über mich.

Strategietexter, Marketingreferent, Journalist, Autor. Papa. Geek. Läufer. Sänger. Bester Freund meines Hundes. Mag Trash-Filme, Gitarrenmusik, Bücher aus Papier und jede Form von Kaffee. Älter als AOL.

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Ernsthaft? Ist das noch Land oder schon Dorf? Es ist beides. Und Wald. Viel Wald. Und herrlich. Vor allem ist es noch im wunderschönen Ruhrpott, auch wenn sich die Leute hier manchmal ein wenig vertun mit dem Niederrhein. Hinfahren, angucken, auf ‘nen Kaffee reinschneien und fachsimpeln. Themen gibt es hier genug. Und wer mich woanders braucht: Ich bin in einer Stunde in Köln oder Düsseldorf, in dreieinhalb Stunden in Hamburg oder Frankfurt, in sechs Stunden in München oder Paris.