Springer öffnet sein Musik-Archiv und nennt es „Rewind“ oder: Warum ein Dortmunder Verlag mal wieder in die Röhre guckt

Autor: Sascha Nieroba || Datum: 21. März 2012 || Thema: Medien

Ok, das ist der längste Artikeltitel bisher, der Inhalt hat aber auch eine lange Geschichte. Zum aktuellen Anlass: Der Springer-Verlag hat seine Musikredaktionen (Rolling Stone, musikexpress und Metal Hammer) still und heimlich alle Printausgaben digitalisieren lassen und nennt es „Das Archiv – Rewind“. Jeder Abonnent einer der Zeitschriften erhält für knappe zehn Euro Zugriff auf alle bisher erschienenen Hefte, samt Suchfunktion und schick in Flash (gut, das ist nun wieder von gestern, weiß man ja seit mindestens fünf Jahren, dass die von Springer-Chef Döpfner so derbe vergötterten Apple-Produkte gar kein Flash darstellen und so seine E-Magazine auf diesen Devices gar nicht angezeigt werden können).

Keine schlechte Idee, …

… aber nicht neu. Die Dortmunder vom Rock Hard bieten ihr Archiv bereits seit etlichen Jahren im Online-Abo an (ich will nicht lügen, aber das digitale Rock-Hard-Archiv reicht bestimmt bis 1992 zurück). Und spätestens, seit Anfang letzten Jahres die Website aufgehübscht worden ist (ich möchte nicht verschweigen, dass ich daran beteiligt war), sind die gesammelten Werke auch gut lesbar – im Gegensatz zur vorherigen Darstellung. Print-Abonnenten erhalten den Zugang zum Online-Archiv gar kostenlos obendrauf. Allein, der gemeine Metalfan hat keinen Bock, Inhalte simpel auf einer Webseite zu lesen (und dafür zu bezahlen), wenn er ähnliche Inhalte woanders für lau bekommt. Vor allem im Musikbereich überschneiden sich die Themen immens, werden sie doch großteils durch anstehende Veröffentlichungen oder Touren vorgegeben.

Verpasste Gelegenheiten

Keine bahnbrechenden Erkenntnisse, fürwahr. Warum die Springerleute trotzdem (mal wieder) die Nase vorne und die Dortmunder das Nachsehen haben werden, liegt in der Umsetzung begründet. Neun Monate hat sich das Metal-Hammer-Team Zeit genommen, um seine Hefte zu digitalisieren. Viel Arbeit, aber gewiss kein Hexenwerk. Standardsoftware eben. Zudem war abzusehen, dass sie das machen würden. Kein geheimes Insiderwissen, sondern gesunder Menschenverstand. Haben nicht alle. Die Dortmunder jedenfalls haben die digitale Entwicklung schlichtweg verpennt. Bereits 2008 hat es Gespräche mit der Bertelsmanntochter Arvato über den Einsatz von elektronischen Magazinen gegeben (ich hoffe, ich veröffentliche hiermit kein Betriebsgeheimnis, immerhin war ich dabei). Es begann alles sehr vielversprechend und zukunftsweisend, ist dann aber in der Geschäftsführung versickert. Bis heute. Und ich möchte ganz ehrlich sein: Es grämt mich!

Warum nicht mal Vorreiter sein? Warum muss das Motto immer lauten: „Wir warten erst mal ab, ob das nicht ein Hype ist und gucken, was die anderen machen. Ärgern können wir uns immer noch.“? Es ist aber nun mal so, dass nur der gewinnt, der seine Komfortzone verlässt, der etwas wagt, der sich traut, vorneweg zu marschieren. Natürlich wird man das eine oder andere Mal falsch abbiegen, aber wenigstens geht es immer vorwärts. Stillstand ist der Tod, das fand schon Max Frisch.

Und das Resultat?

Der Metal Hammer hängt das Rock Hard weiter ab. Den Dortmundern fehlen die wichtigen Online-Impulse, oder zu Deutsch: der Arsch inner Hose, das Internet endlich ernst zu nehmen. Springer muss mit seinem Ansatz nicht erfolgreich sein.  Aber der Verlag beweist, dass er das Online-Geschäft verstanden hat. Rock Hard beweist das Gegenteil.

Lassen Sie uns einen Kaffee trinken!

Frisch aufgebrüht aus handgemahlenen Bohnen, Pads, Kapseln oder aber der gute, alte Bröselkaffee zum Aufgießen: Es wird alles getrunken! Und wenn die Unterhaltung dann noch nett ist, brauchen wir auch keine Kekse.

Eigentlich hätte ich hier gerne ein Kontaktformular. Aber der Aufwand für die DSGVO und das ständige Löschen der Spamscherze sind mir zu blöd, genauso wie Captchas und doppelt und dreifache Opt-ins und -outs.

Also bitte einfach die üblichen Kontaktmöglichkeiten nutzen: hallo[at]nagelundkopf.de oder unter 0176 97661348 anrufen.

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über mich.

Strategietexter, Marketingreferent, Journalist, Autor. Papa. Geek. Läufer. Sänger. Bester Freund meines Hundes. Mag Trash-Filme, Gitarrenmusik, Bücher aus Papier und jede Form von Kaffee. Älter als AOL.

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Ernsthaft? Ist das noch Land oder schon Dorf? Es ist beides. Und Wald. Viel Wald. Und herrlich. Vor allem ist es noch im wunderschönen Ruhrpott, auch wenn sich die Leute hier manchmal ein wenig vertun mit dem Niederrhein. Hinfahren, angucken, auf ‘nen Kaffee reinschneien und fachsimpeln. Themen gibt es hier genug. Und wer mich woanders braucht: Ich bin in einer Stunde in Köln oder Düsseldorf, in dreieinhalb Stunden in Hamburg oder Frankfurt, in sechs Stunden in München oder Paris.